Wolfgang Heidenreich
Malen um im Bild zu sein
Wie Bernd Völkle seine Kunst beim Wort nimmt


Als der gerade mal Einundzwanzigjährige Markgräfler Bernd Völkle 1961 in der Basler Kunsthalle und wenig später in der Berliner Kongreßhalle mit seinen in reinem Rot und reinem Grün strahlenden frühen Bildern Furore machte, begrüßte ihn die Kritik mit überschwänglicher Begeisterung und, bald lobte man an seiner Malerei, sie sei „vital, farbig, voll von Energie, voll von einem Leuchten, für das es in unserer jungen deutschen Malerei nichts Vergleichbares gibt“ (Albert Schulze Vellinghausen in seiner Rede im Kasseler Kunstverein am 16.10.1966). 

Da war wohl ein Kraftwerk in Betrieb gegangen, von dem man nun erwartete, es werde auch künftig das signetartig Bekannte liefern und seine vitalen Energien ins unersättliche Netz des Kunstbetriebs einspeisen. Bernd Völkle hat da nicht mitgespielt; er hat sich mit grüblerischem Bedacht und alemannischer Bedächtigkeit diesen Verfertigungs- und Lieferzwängen verweigert und mit unbequemem, durch immer neue Werkgruppen vorangetriebenem Eigensinn auf einen störrisch suchenden, eigenen Weg gemacht. Die Collagen, die Skulpturen, die Malerei, die auf diesem Weg entstanden, gaben der Fertigkeits- und Fertigungs-Verführung durch das eigene Talent nicht nach. Noch weniger gestatteten sie sich wiederholende Routine und den Hang, aktuelle Erwartungen und Sehgewohnheiten zu bedienen. Völkle sagte: „Ich mache Dinge. Und ihren Betrachtern ist es anheimgestellt, ob sie sie mögen, lieben, verstehen, ablehnen oder wertschätzen.“

Da macht also einer, selbstständig bis zur Ungefälligkeit, seine so verschiedenartigen Dinge, macht sie offenbar nicht, um Effekt und Kasse zu machen oder sich an aktuellen Trends zu beteiligen, sondern um sich selbst immer wieder eher zu überprüfen, sich in immer neuen Werkschüben auszuleben. Immer wieder brauchte er, um über sich selbst im Bild zu sein, neue Themen, Seh- und Arbeitsweisen, immer wieder ging er mit neuen Augen über seine eigenen Dinge her, überarbeitete und transformierte er frühere Arbeitsergebnisse. Begegnungen mit Bernd Völkle boten also immer wieder Überraschungen, neue Perspektiven eines Werks, in dem immer wieder Unerwartetes und für ihn plötzlich Wichtiges passierte und solange durchgespielt wurde, bis sein nachdenkliches Bedenken der Lust am Machen und der Augenlust allzu ironisch in die Quere kam und der Obsession Einhalt gebot.

[Auszug aus: Die fertige Hand, modo 2005]